Zukunftsregion Ostdeutschland – Staatsministerin und Ostbeauftragte Elisabeth Kaiser im Interview bei „Bube & Dame“

Wirtschaftsgespräche mit Elisabeth Kaiser und Mandy Kasel und Michael Apel vom WAMM

Im Rahmen des Formats „Bube und Dame“ der Wirtschaftsvereinigung Altenburger Land (WAMM e.V.) sprach die Staatsministerin und Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland Elisabeth Kaiser mit den WAMM-Vorständen Michael Apel und Mandy Kasel über die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Perspektiven der Region.
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Rolle & Notwendigkeit des Amts der Ostbeauftragten

Auch 36 Jahre nach der Wiedervereinigung sieht Elisabeth Kaiser ihr Amt weiterhin als essenziell an. Nach wie vor bestehen strukturelle Unterschiede – insbesondere bei Lohnniveaus, der Verteilung von Konzernzentralen und Führungspositionen. 

Das Amt versteht sich als Sprachrohr und Scharnier zur Bundespolitik, um die spezifischen Belange Ostdeutschlands direkt in Gesetzgebungsverfahren einzubringen. Kaisers erklärte Vision für 2035: Ostdeutschland soll als die lebenswerteste Zukunftsregion der Republik gelten – und zwar so gefestigt, dass das Amt der Ostbeauftragten durch vollkommen gleichwertige Lebensverhältnisse überflüssig wird.

Wirtschaftliche & gesellschaftliche Lage: Vom Aufholer zum Taktgeber

Ein wesentlicher Kernpunkt des Gesprächs war der Paradigmenwechsel im Selbstbild: Ostdeutschland soll nicht länger primär als „Aufholregion“ wahrgenommen werden, sondern als Vorreiter für Zukunftstechnologien und nachhaltige TransformationOstdeutsche Unternehmen haben in den letzten Jahrzehnten eine enorme Anpassungsfähigkeit bewiesen. Die gesellschaftliche und wirtschaftliche Lage ist geprägt von starkem Wandel, in dem der Mittelstand das verlässliche Rückgrat bildet.

Stärken nutzen und bestehende Herausforderungen entschlossen anpacken

Die ostdeutsche Wirtschaft zeichnet sich vor allem durch einen ausgeprägten Pragmatismus und eine hohe Flexibilität aus, die es den Unternehmen erlauben, schnell und dynamisch auf Marktveränderungen zu reagieren. Zudem hat sich die Region in vielen Feldern eine Vorreiterrolle erarbeitet – insbesondere bei den erneuerbaren Energien, modernen Industrieansiedlungen und innovativen Zukunftstechnologien. Abgerundet wird dieses Profil durch eine hohe Lebensqualität, die attraktive Rahmenbedingungen für Familien und Fachkräfte bietet. 

Diesen Stärken stehen jedoch spürbare Herausforderungen gegenüber. Der fortschreitende demografische Wandel und der Renteneintritt der geburtenstarken Jahrgänge erzeugen einen enormen Fachkräftedruck. Zudem leidet die Region weiterhin unter strukturellen Gefällen, da es nach wie vor an großen Konzernzentralen und Firmensitzen fehlt. Zuletzt bremsen auch übermäßige Bürokratie sowie zu langsame Verwaltungsverfahren die wirtschaftliche Dynamik vor Ort unnötig aus.

Perspektiven für Thüringen und das Altenburger Land

Das Altenburger Land steht beispielhaft für das Zusammenspiel regionaler Wirtschaft und der Metropolregion Mitteldeutschland. Durch die geografische Nähe und die handwerkliche wie industrielle Tradition bietet die Region ein ideales Umfeld für Investitionen und Ansiedlungen. Um dieses Potenzial voll auszuschöpfen, erfordert es jedoch gezielte Impulse für die regionale Wertschöpfung und die lokale Infrastruktur.

Fachkräftesicherung, Qualifizierung & Bindung junger Menschen

Der branchenübergreifende Fachkräftemangel zieht sich als Kernthema durch das Gespräch. Laut der Ostbeauftragten kann dieser Hürde nur mit einem Dreiklang begegnet werden:

  1. Gezielte Bildungsinvestitionen: Stärkung der dualen Ausbildung und der Schulbildung vor Ort.

  2. Berufliche Umqualifizierung: Weiterbildung von Bestandsmitarbeitern für die digitalen und ökologischen Anforderungen.

  3. Qualifizierte Zuwanderung: Gezieltes Anwerben und schnelles Integrieren internationaler Fachkräfte.

Um junge Menschen in Thüringen zu halten, müssen attraktive Arbeitsplätze mit modernen Arbeitszeitmodellen und hoher Lebensqualität Hand in Hand gehen.

Geschwindigkeit bei Investitionen & Abbau von Bürokratie

Ein zentraler Wunsch aus der Wirtschaft betrifft das Tempo von Entscheidungen. Im Beitrag wird hervorgehoben, dass staatliche Prozesse deutlich beschleunigt werden müssen. Ein Hoffnungsträger ist hierbei der verstärkte Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in Behörden, der Genehmigungs- und Verwaltungsprozesse künftig vereinfachen und verkürzen soll.

Das Selbstbild Ostdeutschlands: Innovativ, pragmatisch, offen

Zum Abschluss wurde herausgestellt, wie die Region künftig wahrgenommen werden soll. Statt Klischees oder Defizitberichten wünscht sich die Ministerin, dass Ostdeutschland bundesweit vor allem mit drei Attributen assoziiert wird:

  • Innovativ in der Lösung wirtschaftlicher und ökologischer Aufgaben.

  • Pragmatisch bei der Umsetzung von Veränderungen und Reformen.

  • Offen gegenüber neuen Technologien, Fachkräften und gesellschaftlichen Implikationen.

Fazit

Der Austausch macht deutlich: Das Altenburger Land und Ostdeutschland insgesamt verfügen über hervorragende Voraussetzungen zur Zukunftsregion. Wenn Wirtschaft und Politik an einem Strang ziehen – insbesondere bei Fachkräftesicherung, Entbürokratisierung und regionaler Identität –, kann die Transformation erfolgreich gestaltet werden.